Nostromo im Judenhaus an der Lahn

Schon als Kind habe ich den Antisemitismus nicht verstanden. Fassungslos steht man daneben, wenn er aus den vorher ganz normal wirkenden Leuten herausbricht, wie das Alien in der Nostromo aus dem Bauch des Besatzungsmitglieds Kane.
Nach dem ironischerweise nur „versehentlichen“ Hitlergeburtstags-Brandanschlag samt zweitem Versuch mit nicht richtig brennen wollendem unter der Haustür hindurch gegossenen Heizöl der Stalkerin eines Mannes mit dem absurden Spitznamen „Genosse Genosse Genosse“ (der Spitzname spielte auf seine 3 Doktortitel an) Wochen später habe ich die abartigsten Statements „lieber Mitbürger“ gehört. Und mir gut gemerkt.
Das „Brandanschlag . . . LANGWEILIG!“ des SPD-Bürgermeisters dagegen war harmlos aber hilfreich, weil ich so etwas Irres zum Zitieren habe.
Die seltsamen Sachen, die man mir in dem Glauben sagte ich müsse wohl Jude sein, wenn man mir zum Hitlergeburtstag das Haus anzündet, wie zum Beispiel „Biste etwa DOCH eh‘ Jutt?“ waren weniger infam wie die Argumentation der sich um die Entschädigung drücken wollenden AXA-Versicherung, die erwartet hatte, ich würde über ihren über Bande spielenden „Witz“ auch noch lachen: „Hitlergeburtstag? Wenn Sie kein Jude sind, gilt’s aber nicht!“
Schön, daß in Marburg nun das Gesamtanwesen der „Biste etwa DOCH eh‘ Jutt“-Sagerin als „Judenhaus an der Lahn“ bekannt ist, als Anspielung auf das ehemalige einen Steinwurf entfernte „Wirtshaus an der Lahn“. Denn sowas wurmt natürlich diese liebe Mitbürgerin aus „Gründen“, während es mir ja egal wäre.
Witzig, daß man im „Judenhaus an der Lahn“ nicht mal eine Israelfahne als Gruß an die CDU gegenüber ins Fenster hängen konnte, ohne daß praktisch umgehend das Fensterglas boykottiert werden mußte, siehe mein Originalfoto mit lustigem Marburg-Werbeaufdruck unter diesem Text.
Ich kann allen Antisemiten nur empfehlen, am Hitlergeburtstag auch einmal zu erleben, alles abgebrannt zu bekommen. Vielleicht gibt es ja einen Lerneffekt? Wahrscheinlich wäre es aber umsonst, weil auch der Lerneffekt boykottiert würde.

 

Über Hessenhenker

Ich bin ein Künstler, wenn auch mit 1,78 m kein großer.
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