Antifademo in Marburg gegen Burschenschaft Germania

Beim Samstagabendspaziergang sehe ich alle paar Meter uniformierte junge Frauen mit Pferdeschwanz in Tankstellen und Salatbars stürmen. Da stehe ich drauf. Auf die Pferdeschwänze, nicht auf den Salat.

In der Oberstadt passiere ich (als Passant, wie das Wort schon sagt) ein Dutzend Polizisten, die vor irgendeiner Burschenschaft stehen deren Namen ich mir immer nicht merken kann.
Im ersten Stock brennt extra noch Licht, Leute mit Schirmmützen laufen im Burschenschaftssaal wichtig am Fenster herum, man könnte es auch als „Posen“ bezeichnen.

Plötzlich weht der Wind hysterisches Mikrofongeschrei heran, scheint von oben vom Schloßberg zu kommen.
Ein vielleicht zwölfjähriges Mädchen ruft im Gehen irgendwen an und berichtet, hier sei die Hölle los, alles voller Polizei, und Rechte würden mit Mikrofon gegen Ausländer hetzen, was zeigt daß die heutige Jugend nicht mehr zuhören kann, denn es war doch genau umgekehrt oder so ähnlich.
Am Marktplatz setze ich mich auf die Bank vor dem Brunnen und schaue mir das erleuchtete Rathaus an. Vor dem Rathaus filmen Touristen mit ihren Mobiltelefonen den trötenden Hahn oder Trompeter, der Punkt 8 kräht.

Nach einer halben Stunde Blaulicht von rechts: ein Antifa-Demonstrationszug kommt die Barfüßerstraße entlanggeschlichen, kein Wunder, sie sollen vorher den schrecklichen steilen Weg zur Germania hochgelaufen sein (schwer herzkaspergefährdend, die Strecke).
Die Abschlußkundgebung findet buchstäblich vor meiner Nase statt, aber ich sehe nichts von ihr, weil sich ein Stoff-Wurm aus Turnschuhträgern mit Spruchbändern nach außen abgedeckt hat und direkt vor mir aufbaut, sieht fast ein Bißchen aus wie ein Papierdrache beim chinesischen Neujahrsfest.
Ich schiebe die zwei direkt vor meiner Nase aneinandergehaltenen Spruchbänder wie einen Vorhang in der Mitte einen Schlitz auseinander, um  zu sehen, welche heiße Braut die bemerkenswerte feministische Rede hält, werde aber von einem Demonstranten hinter dem Vorhang in Panik belehrt, das müsse“zu bleiben, damit die Bullen hier nicht reinfotografieren“.
Als die Demo vom Veranstalter für aufgelöst erklärt wird, fallen die Spruchbänder aber schlagartig und werden zusammengefaltet, scheinbar hat sich die Angst vorm Fotografiert werden mit Dienstschluß verflüchtigt.

Eine selbstgefällig tuende Passantin zu einer jetzt hinter mir stehenden Gruppe Polizisten: „Das tuuuut mir aber leid, daß Sie wegen SOWAS so lange Dienst schieben müssen.“
Polizist: „Wir machen das gern.“
Passantin mit flötendem „NöönööNazisdüügübbshürnüch-Mund: „Einen schönen Abend noch“. Von der Polizei wird die Anschleimerei mit Ignorieren belohnt.

Ich frage nach, ob Überstunden gut bezahlt werden und biete an, gegen Überlassung von 20 % der Überstundenentlohnung auch mal eine Demo anzumelden.
Ist aber nicht erwünscht, es gibt nämlich kein Geld für Überstunden vom geizigen Hessen.

Auf dem Rückweg vom Marktplatz Richtung Barfüßertor kommen mir einige gemischtrassige (also immer ein Teil weiblich, ein Teil männlich) junge Pärchen entgegen, von denen der männliche Teil streng gescheitelt ist.

Am Wilhelmsplatz steht eine Gruppe ungescheitelter Jugendlicher und disst sich gegenseitig: „Alter, figg disch doch!“ So alt sehen sie aber noch gar nicht aus.

Marburg, der ganz normale Samstagabend-Irrsinn. Es ist 21 Uhr, eine Kolonne Polizeibusse fährt an mir Richtung Stadtausgang vorbei.
Saukalt ist das! Schlimmer als in Stalingrad!

Über Hessenhenker

Ich bin ein Künstler, wenn auch mit 1,78 m kein großer.
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7 Antworten zu Antifademo in Marburg gegen Burschenschaft Germania

  1. vitzli schreibt:

    „Beim Samstagabendspaziergang …“

    ist das der beginn einer goßen MAGIDA …? 😀

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    • Hessenhenker schreibt:

      Ganz zweifellos wird mir die weltoffene Marburger Verwaltung ein Visum für meinen Schatz geben, den weltoffenen Reden des weltoffenen Oberbürgermeisters nach ist das zu vermuten!
      In diesem Fall halte ich mich raus und muß meine zahlreichen genialen Ideen garnicht der Magida oder sonstwem überlassen, damit die bisher mir gegenüber nicht so weltoffenen Politiker mächtig Ärger bekommen.

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  2. vitzli schreibt:

    „Ich frage nach, ob Überstunden gut bezahlt werden und biete an, gegen Überlassung von 20 % der Überstundenentlohnung auch mal eine Demo anzumelden.“

    geil! :-))))))))))))))

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  3. vitzli schreibt:

    ein sehr schönes, gelungenes stimmungsbild. marburg scheint einen wesentlich größeren unterhaltungswert als jede überlange oper zu haben. mach einen film über den großstadtdschungel draus! „überleben im dschungel“-filme sind gerade im trashfernseh recht populär …

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    • Hessenhenker schreibt:

      Ein Teil der Demonstranten kam, der „Rede“ des Chefs nach, aus Frankfurt, und hat auch gleich geworben, daß an irgendeinem andern Tag bitte alle nach Frankfurt kommen mögen, um anderen Demonstranten zu zeigen, „daß Pegida nicht läuft“.

      Ich erwähne die Franfurter nur, weil ich nicht in denen bin.
      In den Marburgern bin ich natürlich!
      Siehe rechts den Link zum „Genkunst“-Blog, dort wird es noch einmal in aller Appetitlichkeit ausgeführt.

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  4. Frank Fester schreibt:

    Naja, so eine Polizeikolonne im Sonnenuntergang aus der Stadt fahren zu sehen hat doch auch eine gewisse Romantik!
    Oder kommt dann die Angst zurück, wenn die Polizei die Bürger mal wieder im Dunkeln alleine lässt? Sollen sie für den Hessenhenker etwa das (Blau)Licht an lassen?

    Sprüche von Mirationsmitbürgern wie „Ich fick dir in den Arsch Ordnungsamt!“ (inklusive erhobener Faust in Richtung eines entsprechend erkennbaren Fahrzeugs) sind anderenorts an der Tagesordnung….

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    • Hessenhenker schreibt:

      Na und, das ist doch das Problem von andernorts.

      Apropos: sobald ich im Lotto gewinne oder die Versicherungsbetrügerkonzerne mir endlich den Brandanschlag restlos entschädigen,
      werde ich zum Emigrations-Nichtmitbürger.

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