Karfreitags-Kinderschreck

Während meiner Kindergartenzeit (es war ein katholischer Kindergarten am Rhein) stand ich zu Ostern einmal zwei Tage lang regungslos mit nach rechts und links ausgestreckten Armen an ein unsichtbares Kreuz genagelt in meinem Kinderzimmer.
In schlechten Hollywood-Soldatenfilmen machen das die Hauptdarsteller mit gefüllten Wassereimern in beiden Händen, bis zum Umfallen.
Umgefallen bin ich nicht, denn es fehlten die Wassereimer.
Und trotz der mich vorher im Kindergarten tief verschreckt habenden Horrorgeschichten über ans Kreuz genagelte Menschen bekam ich auch zunächst keine Wundmale.
Kurz darauf durfte ich den Horrorgeschichten für Kinder (Fernsehen gab es noch nicht) nicht mehr zuhören: ich wurde als ungläubiger Hund aus dem Kindergarten hinausgeworfen, weil ich mich wehren wollte, als mich ein rechtgläubiger Hund grundlos schlug.
Vorher gab es von der Kindergärtnerin in Nonnentracht noch eine Tracht, denn die Fremden (ich war das Kind von DDR-Flüchtlingen) dürften ja nicht einfach sanktionslos gegen Einheimische zurückschlagen, hieß es.
Heute ist das oft umgekehrt, als Ironie der (Zuwanderungs -) Geschichte.

Über Hessenhenker

Ich bin ein Künstler, wenn auch mit 1,78 m kein großer.
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