Sympathische Spitzel bewarben sich bei mir

Ich muß ein Geständnis machen:
ich bin natürlich immer ein abgedrehter Künstler gewesen, nie ein Politiker.
Deswegen hatten meine guten Ideen auch keinen Erfolg, bzw. ich hatte den Erfolg nicht mit den Ideen.
Ein Politiker hätte z.B. die Versuch zahlreicher Spitzel, sich in die WEISSE LIGA einzuschleichen, freudig begrüßt, statt sie abzuwimmeln.
Der Typ, der sich schon vor offizieller Gründung als Antisemit bei mir vorstellte, um in dem von ihm vermuteten KuKluxKlan-Ableger in den Vorstand zu kommen, hätte mir politisch gesehen natürlich etwas gebracht.
Warum? Wie bei der NPD: jeder Agent bringt 10 weitere mit sich. Und die „Dienste“ wissen ja nicht, was die andere „Hand“ tut, da will also jeder seine Spitzel unterbringen.
Bei 16 Ländern sind das schnell 500 VS-Leute in der Partei. Die wissen alle voneinander nichts und beobachten sich also hauptsächlich gegenseitig.
Die eigentlichen Parteimitglieder werden von solchen Leuten überrollt und ausgebootet, denn die brauchen ja alle einen Posten, um besser Informationen „liefern“ zu können.
Der Antisemit war wie gesagt sehr nett: abgesehen von dem Rätsel, wie der von meiner im eher privaten Rahmen gegründen Partei VORHER wissen konnte, wußte er auch daß ich damals auf einem Country-Trip war, und wollte mir damals nicht leicht zu bekommende Musikkassetten mit Liedern aus dem amerikanischen Bürgerkrieg besorgen: auf den Waffenmessen, wo er sich wohl zuhauf rumtrieb. Ich hörte damals zum ersten Mal davon, daß es solche Messen überhaupt gibt.

Ich zeigte spöttisch mein völliges Unverständnis dem Antisemitismus und jeder anderen Form des Extremismus gegenüber, er ging erstmal wieder und kehrte nach einer Woche wie ausgewechselt als völlig liberal eingestellter Mensch zurück, um immer noch zu versuchen, bei mir Mitglied zu werden.
Nun bin ich ja nicht so blöd, wie ich aussehe, und lachte mir innerlich einen ab.
Dann kam der Hammer: nachdem er eingesehen hatte, daß ich auf ihn nicht hereinfalle, schwenkte er wieder um und erzählte mir, es sei auch besser im Sinne „der Sache“, wenn er nicht bei mir mitmacht und keinen Vorstandsposten übernimmt, weil es nicht so gut sei, wenn irgendwann mal „aufgedeckt“ wird, daß er bei irgendwelchen Wehrsportgruppen dabei war. Da bleibe er besser „lieber im Hintergrund“. Im Hintergrund hieß für mich allerdings: gar nicht. Eigentlich schade, da war es dann nix mit seltener Musik . . .
So plump wie das jetzt klingt ging er nicht vor, der Mensch war gebildet und hätte auch in jeder philosophischen TV-Spötter-Runde eine gute Figur abgegeben.

Lustig auch: ich hatte ja in meinem Comicladen einen breitgestreuten Bekanntenkreis. Da hat jemand der eher der linken Szene zuzurechnen gewesen wäre den Spitzel mal aus dem Laden kommen sehen. Der kannte den irgendwoher, konnte ihn aber nicht zuordnen.
Da sieht man mal, daß der Verfassungsschutz wirklich überparteilich ist: dasselbe Personal scheint alle Seiten zugleich zu unterwandern. Wie im Fernsehen: der Mörder von heute ist der Kommissar von morgen.

Nun dazu, wieso DIESER Typ also bereits VOR Gründung der Partei davon wußte.
Es klingt verrückt, aber ganz offensichtlich wurde ich also abgehört, seit ich meine andere politische Kunstaktion mit der von mir gegründeten „Deutschen Comic Partei“ durchgeführt hatte.
Kunst ist also subversiv und muß überwacht werden!
Hätte ich Idiot das damals schon eingesehen, hätte es vielleicht nicht bei mir brennen müssen. Denn wer zündet schon die Hand an, die einen mit Informationen füttert?

Ich mache allen deutschen Geheimdiensten hiermit ein Angebot: ich überwache mich für finanziell angemessene korrekt nach den verschiedenen „Überwachungsagenturen“ getrennte Aufwandsentschädigungen selbst und berichte euch zeitnah über alles, was ich tue. Wenn mein Schatz einverstanden ist, könnt ihr uns sogar über Webcam beim Ficken zugucken. Im Sinne der staatstragenden Aufklärung, natürlich.

Über Hessenhenker

Ich bin ein Künstler, wenn auch mit 1,78 m kein großer.
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Eine Antwort zu Sympathische Spitzel bewarben sich bei mir

  1. hubert der freundliche schreibt:

    Versuchen sie doch das nächste mal eine BUNTE LIGA, – ach so, da könnte es vieleicht mit dieser Klatsch- und Tratschillustrierten gleichen Namens Schwierigkeiten geben. Hmm, die BLAUEN gibts auch noch nicht, aber da kommen wahrscheinlich alle, die dem Alkohol zugetan sind.

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