Was vor dem Brandanschlag geschah

So ein oder anderthalb Monate vor dem Brand hatte ich eine süße kleine Demo vor der Marburger Stadthalle organisiert. Nur was Kleines für Zwischendurch, ein paar weiße Fahnen statt Fingerfood, damit man nicht mit leeren Händen dasteht, und ein paar skandalöse Flugblätter, auf denen man Oskar Lafontaine (damals noch SPD) und Erich Honecker sah, wie sie in Saarbrücken dem Volk huldvoll mit hitlergrußähnlich wirkenden Armbewegungen zuwinkten.
Ach ja, neben uns standen da noch eine Hundertschaft Polizei rum (wahrscheinlich der Tatsache geschuldet, daß die Polizeibehörden vorher noch nie von der WEISSEN LIGA gehört hatten und aufgrund falscher Vorstellungen über den Namen glaubten, das sei sowas wie der KuKluxKlan), und der Oberbürgermeister (damals noch Möller, CDU), und guckten zu, wie sich die Stadthallenbesucher über uns 13 Demonstranten ärgerten (Ich war mit 12 Jüngern da, wie Jesus).
Vor der Eingangstür hatten wir einen Grenzposten simuliert: „Halt, hier Zonengrenze! Gofferraum uffmachen!“ Professor Fülberth, damals noch als bekennender letzter Stalinist, hat schallend gelacht, alle anderen machten  die in Stein gemeißelten ernsten Gesichter der sowjetischen Nomenklatura auf dem Podium einer Militärparade nach, wirkten also wenig amüsiert. Gysi war entweder nicht locker drauf oder man hat ihm drinnen erzählt draußen stünde die Konterrevolution, denn er kam nicht wie man erwarten würde raus, um ein paar coole Sprüche zu machen.
Ein nicht wie ein hessischer Kastenkopp, sondern wie ein kurdischer Quadratschrank wirkender Mann mit Öcalan-Anstecker warf einen kurzen Blick auf mein Flugblatt, um sofort zu verkünden, bald würden wir verboten und überhaupt könnte sowas schlimme Folgen für den Demoveranstalter nach sich ziehen. Man muß es nicht als Drohung auffassen, er kann da durchaus aus seinen kurdischen Erfahrungen mit der türkischen Staatsmacht gesprochen haben.
Andrerseits brannte es ja dann, und man sagte mir VORHER, ich solle besser nicht erwähnen von Ausländern bedroht worden zu sein falls mal was passiere, sonst sitze man ganz schnell wegen ausländerfeindlichen Thesen ein. Lauter druckausübende Interessenvertreter erzählten also was Bedrohliches, während die Polizei mir danach erzählte, es sei ein technischer Defekt gewesen. Man kann es auch so sehen: das Ziel dieser „guten Ratschläge“ war in Wirklichkeit ein ausländerfeindliches, nämlich ein Feindbild bei mir aufzubauen, um mich „zu lenken“. Wer meine Satire mißversteht, denkt vielleicht ich habe ein Feindbild, aber ich habe noch nie eins gehabt und komme auch weiterhin ohne aus.
Nach dem Brand hat sich dann wohl irgendjemand gedacht, mit einem mir zugespielten (meine Mülltonne) gefälschten PDS-Vorstandsrundschreiben gerichtet an die Person, die sich verdächtig aus dem Nachbarhaus nächtelang zum Brand „äußerte“, könne man mich ein wenig in die Irre führen.

Obwohl diese „Gegendemo“ die erste und für lange Zeit einzige war (Sie haben es inzwischen sicher erraten: gegen die PDS), die jemals im Westen gegen eine PDS-Veranstaltung (auch noch mit Gregor Gysi) abgehalten wurde, war es der OP keinen Bericht wert.
Nicht mal ein Foto habe ich von der Demo, die Presse und der HR fotografierten zwar ausgiebig, brachten aber nichts. Wären schöne Bilder gewesen, es war schon was für’s Auge dabei.
Am Abend der Demo hatten die Republikaner eine Vorstandssitzung in der gleichen Straße, dort wurde sich kräftig darüber geärgert, daß DIE nicht auf diese Idee gekommen waren. Hätten sich die Republikaner etwa dazugestellt, hätte die Presse natürlich einen Skandalbericht gebracht, so nach dem Motto, wir bieten den Rechten eine Bühne.
Zur Strafe, daß da einfach ein paar Menschen ihr eigenes Ding aus Spaß machen, wurde NICHTS berichtet.
Dafür hieß die Schlagzeile nach dem Brand: „Scheunenbrand in Mardorf“.
Wie man auf dem irgendwo im Kommentarbereich verlinkten Blog vom Frank Fester (hallo Anders: ein weiterer Blog zum Rumtrollen) nachlesen kann, hat die OP jetzt IHM geschrieben, wenn er SEIN abgebranntes Haus erwähnt, wird er gesperrt. Die Sache beginnt zu mutieren! Die OP sieht überall nur noch abgebrannte Häuser.)

Über Hessenhenker

Ich bin ein Künstler, wenn auch mit 1,78 m kein großer.
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27 Antworten zu Was vor dem Brandanschlag geschah

  1. vitzli schreibt:

    ich möchte zwei anmerkungen machen.

    publikrelationtechnisch ist es ein komplettversagen, als quasijesus mit 12 jüngeren zu erscheinen, OHNE einen einzigen farbechten nazi mitzubringen. als blickfang für die presse. ohne nazi geht heute gar nix mehr. jede gut sortierte agentur vermietet die günstig, manchmal helfen auch studenten aus.

    und du hast KEIN feindbild? kein einziges? echt gar nix?

    das ist wie ying ohne yang! ich verleihe dir aber gerne mal eines aus meiner reichhaltigen sammlung aus den schubladen hass, neid und missgunst oder rassimus. ich muss mal nachgucken, was sonst noch so da ist ….. lehrer, emanzen, politiker ….mein gott, diese ganzen spinnweben …. dieser staub …

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  2. Hessenhenker schreibt:

    Halt mal, das war nur bildlich gesprochen.
    Ein Jünger war älter!

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  3. vitzli schreibt:

    verstehe.

    ein jünger war älter. und schwarze sind bunt oder farbig.

    feindbildfrei ….

    ja gibt es denn keine seriösen hetzblogs mehr …? 😦

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  4. Hessenhenker schreibt:

    Also ICH kann ohne ein Feindbild viel besser hetzen.

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  5. vitzli schreibt:

    das klingt – mit verlaub – besonders subversiv! irgendwie gemeingefährlich!

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  6. Ein guter Rat schreibt:

    Wenn das alles so passiert ist:
    kein Wunder, daß Ihnen da nur noch der Galgenhumor bleibt.
    Und die Brandversicherung hat sie 1997 geleimt?
    Da geht jede hier investierte Mühe fehl, das ist alles lange schon verjährt.

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  7. Hessenhenker schreibt:

    Die Brandversicherung nicht, die hat vielleicht ein klein Bissel den Architekten und den Abbruchunternehmer bevorteilt, mehr nicht.

    Die Inhaltsversicherung hat mich geleimt. Der ehrenwerte AXA-Konzern (denn ehrenwert, das sind sie alle, sagte Marcus Antonius in seiner Totenrede auf Julius Caesar über dessen Mörder).

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  8. Anders Arendt schreibt:

    Der neue Blog vom Fester ist gut gedacht, aber schlecht gemacht, er wird dir damit keine nennenswerte Konkurrenz machen. Was aber passiert ist: Die OP hat sich nun verraten. Fester und Wiegand sind also scheinbar doch eine Person. Weshalb sonst hätte die OP Fank Fester angeschrieben, er solle nicht mehr über den Hausbrand schreiben?

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  9. Anders Arendt schreibt:

    Ich finde ja die alten Geschichten vom Hausbrand 1997 keineswegs langweilig, bin ja nicht so ein Geschichts- und Kulturbanause (Kultur ist für ihn nur ein Spektakel) wie mein Nachfolger Pletti. Allerdings frage ich mich, was du mit der ständigen Wiederholung deiner persönlichen Leidensgeschichte erreichen willst.

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  10. Hessenhenker schreibt:

    @ Anders Arendt
    Wieso interessiert Dich das?
    Hat die AXA bei Dir angefragt, ob ich irgendeinen Plan verfolge?

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  11. Frank Fester schreibt:

    Irgend jemand muss den Wiegand bei der OP angeschwärzt haben!

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  12. Hessenhenker schreibt:

    Das Wort „anschwärzen“ ist mutmaßlich auch verboten, erinnert es doch zu sehr an Asche, die beim Brand entsteht.

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  13. Frank Fester schreibt:

    Nein, nein, nein! Sie drehen es immer, wie Sie es brauchen, Wiegand. Das ist langweilig. Ich meinte Druckerschwärze. Sie verstehen? OP=Zeitung=Druckerschwärze… Echte Zensur wäre übrigens, wenn die OP Ihre Beiträge an entsprechenden Stellen einfach schwärzen würde.

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  14. Hessenhenker schreibt:

    Die sicherste Art der Zensur wäre, einfach eine völlig leere Zeitung anzubieten.

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  15. Anders Arendt schreibt:

    Jetzt hör mal mit der AXA auf, was hab ich denn mit der zu tun? Nicht! Ich frage mich einfach, wieso du seit Jahren dieselbe Geschichte schreiben musst, bis sie irgendwann alle langweilig finden, nicht nur Pletti.

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  16. Hessenhenker schreibt:

    Es ist keine „Geschichte“, sondern das, was passiert ist.
    Und ich schreibe es so lange, bis die bei der AXA alle gestorben sind.

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  17. Hessenhenker schreibt:

    Auch die Brandstifter würde ich zum Verrecken gerne verrecken sehen.

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  18. Frank Fester schreibt:

    Wiegand, Sie können gern bei mir im Blog mitdiskutieren. Da kommt nicht jeder rein. Das ist der Blog der Besserschreiber.

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  19. hubert der freundliche schreibt:

    Ach so, ein Blog für Pyromanen und deren Geschädigten, wie aufmerksam.
    Und nimm wiederum etliches davon und wirf’s in ein Feuer und verbrenne es mit Feuer; von dem soll ein Feuer auskommen über das ganze Haus Israel. Hesekiel 5.4

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  20. Anders Arendt schreibt:

    Rainer, schreib solche bösen Dinge nicht, sonst sperren sie dich ganz schnell für 7 Jahre in die Forensik, da scheut dieser Staat keine Kosten und Mühen. Vielleicht solltest du auf der Grundlage mal mit Heck verhandeln: Du rechnest ihm vor, was 7 Jahre Forensik kosten würden und dass man dich mit einem Bruchteil davon zufrieden stellen könnte. Heck schat dann einfach mal nach, aus welchem Topf er die rund 250.000 Euro für dich locker macht. Notfalls geht er mal zu Pohl, als Bundestagsabgeordneter wird er dort wohl eine Audienz bekommen. Pohl greif dann mal kurz in seine Portokasse und schon hast du dein Geld.

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  21. Hessenhenker schreibt:

    Bis jetzt war noch garnichts Böses dabei.
    Das kommt aber noch!

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  22. Anders Arendt schreibt:

    Klar, du willst, dass alle AXA-Mitarbeiter sterben. Das genügt doch, um dich einzusperren. Warum soll man abwarten, bis du ein Flugzeug kaperst und ins AXA-Gebäude fliegen lässt? Die Leute, die einen Anschlag auf das WTC geplant hatten, hat man nicht ernst genommen, aus der Geschichte sollte die Welt doch gelernt haben.

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  23. Hessenhenker schreibt:

    Es gibt Millionen Gläubige, die wollen daß die Ungläubigen sterben.
    Das ist gerichtlich festgestellt ein völlig strafloser Todeswunsch.
    Da kann auch ein Ungläubiger Hund mal etwas „zurückwünschen“.
    Und da ich nicht nachtragend bin, wünsche ich eben denen bei der AXA was Schönes.
    Die Hunde WOLLEN doch gar nicht ewig leben.
    Ohne AXA ist die Welt bestimmt viel schöner, vor allem für die Konkurrenz.
    Und der DVAG ist es sicher egal, welche Produkte sie verkauft.
    Das ist wie mit dem Supermarkt: wenn kein Hersteller mehr „Yakscheiße-Shampoo“ anbietet, wird im Regal Platz für das neue innovative hippe „Ameisenbärenscheiße-Shampoo“.
    Das nennt sich Evolution. Oder so.

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  24. Hessenhenker schreibt:

    Und vergiß nicht, Dir die Haare zu waschen!

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  25. Hessenhenker schreibt:

    Deine Sorge um die armen AXA-Mitarbeiter ist aber sehr christlich gedacht:
    indem die AXA mir gleich nach dem Brand um mich reinlegen zu können verschwiegen hat, daß es KEIN technischer Defekt in meinen Stromleitungen war, der den Brand auslöste,
    hat mich die AXA in die Gefahr gebracht, einem vielleicht kommendem zweiten Anschlag zum Opfer zu fallen.

    Und dann gab es ja mindestens einen weiteren Versuch, allerdings tagsüber in meiner Abwesenheit.
    Die Polizei Stadtallendorf als ich das abends aufgeregt telefonisch meldete (brennbare Flüssigkeit im Hausflur und vor der Haustür Rückstände von abgebrannten Esbit-Anzündern):
    „Sie WISSEN daß es strafbar ist den Notruf zu blockieren?“

    Also, was empfiehlt mir der Gläubige Anders Arendt?
    Soll ich meine andere Wange in Form eines anderen Hauses auch noch hinhalten?

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  26. hubert der freundliche schreibt:

    Ja, geben sie doch mal ihre derzeitige Wohnadresse der gemeinnützigen Pyromanenvereinigung bekannt, damit Herr AA weiter seinem meditativen gottvollen Franzosenleben frönen kann.

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  27. Bedenkenträger schreibt:

    Was soll die Welt aus dem WTC-Terroranschlag gelernt haben?
    Was wollen Sie damit sagen, Herr Arendt?
    Was heißt, man hat „sie nicht ernst genommen“?
    In dem Zusammenhang, in dem Sie es bringen, Herr Arendt, klingt das so, als ob Sie daran glauben, dass die Terroristen durch die AXA genauso behandelt wurden wie der Herr Wiegand.

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