Die Invasion der Körperfresser in Marburg

Als ich im vorigen Jahrhundert aus Versehen mal Schülersprecher am Abendgymnasium in Marburg war, saß ich bei einer Podumsdiskussion zum Thema „Gentechnik“ auf der Bühne neben der heiligen Ikone der Marburger Sozialdemokratie, neben der damaligen DGB-Vorsitzenden Käte Dinnebier.
Und da begab es sich, daß die Gentechnik als schlimmste Gefahr seit den Nazis dargestellt wurde: kranke Menschen mit Gentechnik heilen sei unmoralisch, weil die Gentechnik sonst eines Tages dafür sorgen wird, daß wir nicht mehr wissen was in den Nahrungsmitteln ist.
Es herrschte eine Stimmung gegen die anwesenden Wissenschaftler im Saal wie bei einem Schauprozeß.
Da ist mir, dem bis dahin freundlichen Moderator der Kragen geplatzt:
„ICH wäre jedenfalls dankbar, wenn es vor meiner Geburt schon Gentechnik gegeben hätte. Dann hätte man bei einem Test festgestellt: das Kind wird Neurodermitis haben, legen wir doch hier diesen kleinen Gen-Schalter um und lassen es gesund auf die Welt kommen. Nun gab es aber keine Gentechnik, und deshalb bin ich halt krank, kann keine einzige Nacht schlafen, erst wenn ich nach Tagen völlig erschöpft bin kann ich mal für 2 Tage in Schlaf fallen. Aber normale Nächte sind die Hölle. Ich wäre GERNE gesund.“

Entsetzen auf den Gesichtern der fortschrittlichen Menschen auf dem Podium.
Aber Käte Dinnebier, die Mutter Teresa der Marburger SPD, lächelte mich selig an und sagte: „Das sehen Sie vollkommen falsch, Herr Wiegand. Sie haben ein RECHT darauf krank zu sein.“
Ich war sprachlos. Und so verblüfft, daß ich ihr nicht die Kiesingerklatsche gegeben habe.
Nach ein paar Tagen hatte sich meine Wut so gesteigert, daß ich der damals gerade aufkommenden Protestpartei „Die Republikaner“ beigetreten bin, in der Hoffnung, mit denen was gegen solchen Wahnsinn ausrichten zu können. Dann mußte ich feststellen, daß die Reps in Marburg zwar weitgehend nicht wie von der Presse behauptet rechtsradikal waren (die meisten Rassisten finden sie in Marburg woanders), dafür aber auch zu überhaupt nichts zu gebrauchen und völlig überflüssig und nutzlos. Nach einiger verschwendeter Zeit dort (ich kündige schon mal mein erhellendes Enthüllungsbuch an!) erkannte ich: die gute, nächstenliebende Frau Dinnebier hatte und hat recht.
Ich habe also ein Recht darauf krank * zu sein. Das gilt aber dann auch für die SPD. Und seitdem staube ich. Ich staube nicht ab wie Herr Wulff, nein ich GEBE meinen Mitmenschen etwas.
Mich.
Ich gebe jedem Marburger ein Teil von mir. Oder zwei oder drei. Nanopartikelweise.

Und wer weiß, angeblich ist Neurodermitis ja nicht ansteckend, aber was weiß denn schon die Wissenschaft? Denn seht mal: obwohl ja nicht für medizinische Zwecke gentechnisch geforscht werden durfte, ist es genau so gekommen wie die guten Leute auf dem Podium damals gesagt haben: wir wissen heute nicht mal, was in den Nahrungsmitteln ist. Na, wenn das kein Beweis ist!
Und so gebe ich hiermit Käte Dinnebiers Botschaft weiter: ALLE in Marburg haben ein Recht darauf krank zu sein. Die Krankheit muß quasi sozialisiert werden. Hoffen Sie also alle darauf, daß Neurodermitis  ansteckend ist. Ich will Sie ja nicht um Ihr Recht bringen.
Auch die Politiker sollen nicht um ihr Recht krank zu sein betrogen werden, deshalb habe ich sie in Marburg nach Möglichkeit alle schon getroffen. Ich habe sie alle durch Ausatmen oder Händeschütteln kontaminiert mit ihrem Recht in Berührung gebracht.
Wenn also der Marburger SPD-Abgeordnete Sören Bartol im Deutschen Bundestag hustet, werden gleich wieder 20 Abgeordnete mit „Hessenhenker“ angesteckt.
Und daß die Politik in Deutschland ganz offensichtlich krank ist, wird ja wohl niemand bestreiten wollen? Das Recht auf Dummheit kommt dort noch dazu.
Sie sehen, Neurodermitis ist tatsächlich ansteckend. Die Politik juckt es aber nicht.
Oder doch? Juckt es schon? Wenn nicht heute, dann vielleicht kommende Nacht.

Fußnote:
* Im angeblich für meine Krankheit völlig ungünstigen Klima im tropischen Land meiner Freundin bin ich übrigens nach kurzem Aufenthalt äußerlich gesund. Kaum betrete ich deutschen Boden falle ich um wie die Fliegen. Auswandern geht aber nicht, wie bekannt wurde ich ja abgebrannt. Wenn Sie mich nicht länger einatmen wollen, spenden Sie halt was und ich bin weg, LOL.

Über Hessenhenker

Ich bin ein Künstler, wenn auch mit 1,78 m kein großer.
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15 Antworten zu Die Invasion der Körperfresser in Marburg

  1. Die Grünen fressen die Ziegen schreibt:

    Enthüllungsbuch?
    Mein lieber Scholli.
    Da waren sie alle froh dass endlich Gras über die Sachen gewachsen ist und dann kommst du!

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  2. Zehnkämpfer schreibt:

    Dabei hatten wir die Käte extra zur DGB-Vorsitzenden gemacht, damit sie in der SPD keinen Schaden anrichten kann.

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  3. Frank Fester schreibt:

    Hessenhenker, haben Sie meinen Freund Anders Arendt gehängt? Bestimmt stecken Sie doch hinter seiner Abwesenheit. Da ihn vermutlich sonst niemand vermißt, muss ich wohl bald mal aktiv werden…

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  4. Zehnkämpfer schreibt:

    Haben denn die Reps nie den Verdacht gehabt, von Dir nur verarscht zu werden?
    Allein wie Du schon ausgesehen hast!

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    • Hessenhenker schreibt:

      Wieso verarscht? Ich muß doch aber sehr bitten, LOL!

      Wie habe ich denn ausgesehen? Hab gerade nochmal im Spiegel kontrolliert, ich meine doch ich war diesselbe charismatische Führungspersönlichkeit wie immer. 😀

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